Jürgen Naber – Norwegian Highlights | Portfolio

Jürgen Nabers fotografische Werkserie zeigt 34 Variationen ein und desselben Motivs: Straßenlaternen des an der norwegischen Atlantikküste gelegenen Städtchens Alesund. Und nicht einmal von der ganzen Laterne handelt ,,Norwegian Highlights“. Von Interesse ist allein ihr zentrales Bauteil, die lichtspendende Leuchte. Seine himmelschauende Werkidee ist aus einer höchst anspruchsvollen, perspektivisch fast übermütigen Position heraus realisiert. Geometrisch exakt befindet sich die Kamera am längsachsigen Tiefpunkt im Zentrum von 34 Lichtkegeln.

Mit äußerst kurzen Belichtungszeiten reduziert er die von den Straßenleuchten ausgehende Lichtmenge soweit, dass in der Abbildung Details gezeichnet sind, die das Auge bei direkter Betrachtung nicht wahrzunehmen in der Lage wäre. Wir sehen auf einmal Unmengen im Licht verkohlter Insekten, Sprünge und Einschlüsse im Glaskörper der Leuchte, Nuancen ihrer Lichtfarbe. Auch den Leuchtkörper selbst nehmen wir wahr, den Reflektor. Dreck und Staub zudem, die unterschiedlichen Strukturen der Streuscheiben.

Nabers Arbeit demonstriert nicht einfach nur ein fotografisches Spiel mit der Belichtung von Beleuchtung. Sein Interesse geht tiefer, ist philosophischer Natur. ,,Norwegian Higlights“ ist nicht weniger als eine künstlerische Reflexion auf das technische Licht. Anders als das natürliche Licht ist das technische Licht gerichtet. Es konzentriert den fremdbestimmten Blick auf ein ,,optisches Präparat“ (Hans Blumenberg). Über dessen Sichtwürdigkeit befindet allerdings allein sein Beleuchter und nicht sein Betrachter. Es handelt sich dabei um nicht weniger als den bewussten Eingriff in den freien Akt der Blickwendung.

Dieser gewalt- und absichtvollen Manipulation tritt J. Naber fotographisch entgegen. In einem befreiten Akt der Blickwendung fokussiert er auf die Lichtquelle und konfrontiert sie mit ihrer eigenen Weise der optischen Präparation. Und so ist in Nabers Werkserie das technische Licht selbst zum Präparat geworden. Auf beeindruckende Weise zeit der Fotokünstler, dass technikphilosophische Fragen sich auf ästhetisch und konzeptionell gleichermaßen hohem Niveau beantworten lassen.

  • Text von Henning Groscurth (Köln) -

www.juergennaber.de

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