Christine Bachmann: Undine geht | Portfolio

Undine geht (seit 2009)

Undine (lat. unda = Welle) ist als literarische Figur vor allem in der Romantik entstanden und hat von da an erst durch Ingeborg Bachmanns Umwandlung in den 1960er Jahren einen selbstbewussten, nach Autonomie strebenden Charakter erhalten. Noch in der Romantik ist Undine ein zierliches, empathisches, fast ätherisches und schicksalsergebenes Wesen, welches erst durch die Heirat eines Mannes zur Frau wird und sich aus Liebe zu ihrem Mann passiv den Widrigkeiten der Ehe ergibt. Ähnlich wie Shakespeare's Ophelia endet sie betrogen, ausgestoßen und sterbend im Wasser. In dieser Darstellung tut sie nichts aus freiem Willen, sie wirkt ohnmächtig, das Schicksal und ihre Gefühle bestimmen von Geburt an ihre Wege. Anders gestaltet in Ingeborg Bachmanns Version, in der sich Undine, schicksalsbewusst, die Ehe verachtend, ins Wasser zu einer Art Regeneration zurückzieht und sich vor ihrem Abgang noch einmal an alle Männer wendet. In einem sprach-gewaltigen, anklagenden Monolog beschreibt sie die Zustände und ihre Rolle, in die sie geraten ist, in die sie immerwieder gerät, um eine Veränderung zu bewirken. Es ist auch ein Versuch von Umverteilung von Schuld. Schuld, die schon seit symbolischem Beginn der Menschheit - im Paradies - immer die Frau trifft, wenn sie auf der Suche nach Selbstbewusstsein die bisherige Ordnung ins Wanken bringt und somit tiefgreifend stört. Die Anklage gelingt aber letztlich nie ganz. Die liebende, im Getrenntsein lebensunfähige Seite der Undine zwingt sie immerwieder in den tragischen Kreislauf zurückzukehren.

In Anlehnung an die Erzählung Undine geht von Ingeborg Bachmann portraitiere ich Frauen und Mädchen unterschiedlichen Alters. Dabei entsteht ein metaphorisches Frauenportrait, mit welchem ich der Sicht auf Undine eine neue Perspektive hinzufüge.

www.christinebachmann.de 

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