Sebastian Weise: besenrein. Ästhetik des Aufgebens | Portfolio

Es ist dieser Geruch.

Der Geruch von uraltem Staub und feuchter Vergängnis, der offensichtlich schon lange Zeit unbewegt im Raum steht. Der Geruch von alten Schrankinhalten, von unzähligen Mahlzeiten, von vermodernden Resten des gelebten Lebens in diesen Wänden, von Menschen. Geschichten und Geschichte konzentriert in einem Aroma des Vergangenen. Dieser Geruch ist das Erste, was meine Sinne erreicht, wenn ich verlassene Gebäude betrete. Er nimmt gefangen und bereitet auf das Kommende vor. Er weist den Weg und erzählt seine eigenen Geschichten. Und er kann furchtbar überwältigend sein.

Das, was man sieht, ist wiederum gleichsam banal wie anrührend. Es kann anekeln, es kann beschämen, es kann peinlich intime Einblicke in das Leben der Menschen geben. Und es kann Wehmut aufkommen in Momenten des Erkennens: So war es, auch bei mir, auch bei uns, auch hier.

Immer wieder dieses Hochgefühl, wenn ich ein neues altes Haus entdecke. Wenn ich den Weg hinein finde. Den Weg hindurch. Diese Aufregung, nichts verpassen zu wollen, kein Detail, kein Eckchen und Fleckchen. Und danach dieses unbändige Verlangen nach einer Dusche, den Geruch und die Patina abspülen, mich selbst rein zu spülen.

Meine ersten Kindheitserinnerungen spielen in Abrisshäusern. Ein Bild ist  mir noch deutlich vor Augen: Der Abdruck zweier Kinderhintern auf einem staubigen Backblech. Hier hatten wir gesessen, die Sandkastenfreundin Angelika und ich, in dem alten Gemäuer direkt neben dem Kindergarten. Ich hatte sie hereingelockt, um ihr die vielen gruseligen Zimmer zu zeigen, die Schränke mit den seltsamen Kleidern, die alten Geräte im Keller.

Und diesen Geruch. Er hat mich bis heute nicht losgelassen.

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